DVAM-Finanzmarkt-Newsletter

DVAM-FINANZMARKT-NEWSLETTER 11/2019

Die EZB hat am letzten Donnerstag für einen Paukenschlag gesorgt, da sie ihre weitere Geldpolitik auf eine Rezession ausrichtet, obwohl Mario Draghi selbst betonte, das Wachstum in der Eurozone würde sich lediglich verlangsamen. Dies sorgt für massive Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Schließlich ist ja nicht auszuschließen, dass die Notenbank etwas weiß, das noch kein anderer sieht. Tatsächlich sind solche Erwartungen übertrieben; die Erklärung ist wesentlich einfacher: Die EZB betreibt Rettungspolitik für die überschuldeten Staaten vor allem in Südeuropa und für viele Kreditinstitute, die auf Probleme in der Refinanzierung zusteuern. Deswegen wird die Notenbank wieder langfristige Refinanzierungsgeschäfte für Kreditinstitute anbieten. Damit fällt man zurück in einen Krisenmodus, der der wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt nicht angemessen ist, zumal sich gerade in Asien wieder erste positive Konjunktursignale zeigen. Die EZB hat die Fähigkeit, durch kurzfristige Entwicklungen auf das “große Ganze” zu blicken, vollständig verloren. Statt dessen findet blinder Aktionismus statt, der die Zinsen zunächst für Staatsanleihen, in der Folge aber auch für Unternehmensanleihen weiter in die Tiefe drücken wird. Wäre unser Newsletter ein Sprachrohr unserer Interessen, würden wir diese EZB-Politik bejubeln. Es ist aber wichtig, die langfristigen Folgen zu betrachten. Es wächst eine Generation heran, der der Wert der Geldanlage immer schwieriger vermittelt werden kann, weil der Wert des Geldes verloren geht. Zinsen waren immer der Preis, den man für den Rohstoff „Geld“ bezahlen musste. Sie waren damit ein Regulativ, das die Verschuldung begrenzt hat. Je niedriger die Zinsen sind, desto schneller wird die Verschuldung steigen und zu immer neuen Fehlsteuerungen führen. Derzeit steigen die Preise für Immobilien in bevölkerungsschwächeren Regionen Deutschlands, weil sich Anleger dort eine höhere Rendite versprechen. Gleichzeitig diskutieren Ökonomen, ob es sinnvoll ist, solche Gebiete überhaupt noch wirtschaftlich zu fördern. Wenn Menschen aus diesen Regionen wegziehen, bleibt das Wohnraumangebot bei sinkender Nachfrage unverändert. In der Wirtschaftstheorie müssten dort bereits jetzt die Preise fallen; aber das Gegenteil tritt ein. Die EZB-Politik und der politische Stillstand – insbesondere in Deutschland – hebeln fundamentale Marktfaktoren aus. Wer einen planwirtschaftlichen Ansatz in einem eher marktwirtschaftlichen Umfeld erleben will, muss nicht mehr nach China schauen. Europa setzt hinsichtlich dieses Vorgehens an manchen Stellen leider völlig neue Maßstäbe. 

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