Finanzmärkte 2015

Finanzmärkte 2015

11.12.2014

Bevor man über Erwartungen spricht, lohnt sich der Blick zurück. Das Anlagejahr 2014 kann man mit Fug und Recht unter das Motto „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ stellen.

Viele Marktteilnehmer haben mit einem dynamischen Wachstum an den Aktienmärkten gerechnet. Die Schwankungsbreite, wie die DVAM sie bereits in ihrem Finanzmarktausblick 2014 vorhergesehen hatte, ist vielfach so nicht erwartet worden. Auch die – aus unserer Sicht ohnehin fundamental ungerechtfertigte – Einschätzung, dass das Zinsniveau deutlich steigen würde, wurde nicht erfüllt.

Vielmehr ist die Zinsdifferenz über den großen Teich hinweg größer geworden, weil die Zinsen in den USA weniger stark gefallen sind als in Europa. In der Eurozone wird die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin alles tun, um eine Deflation zu verhindern und die Konjunktur zu stimulieren.

Keine Sofortwirkung zu erwarten

Die vollständige Wirkung der expansiven Geldpolitik der EZB, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Käufen von europäischen Staatsanleihen münden wird, wird sich erst im Laufe des Jahres 2015 vollständig zeigen. Es ist sogar hochwahrscheinlich, dass bis in das Jahr 2018 hinein die Renditen beispielsweise für deutsche Staatsanleihen nicht steigen, sondern eher fallen werden.

Mit ihrer Politik will die EZB niedrige Zinsen und hohe Liquidität über mehrere Jahre sicherstellen. Der Blick auf das 4. Quartal 2014 und die stark im Fokus stehenden Diskussionen um die konjunkturelle Entwicklung zeigen jedoch deutlich, wie wenig solche geldpolitischen Instrumente für eine konjunkturelle Belebung sorgen können.

Die Zinsen werden daher 2015 auch im mittel- und langfristigen Bereich niedrig bleiben. Für konservative Anleger ist dies eine eher schlechte Nachricht. Zwar werden die Kurse bestehender Anleihen weiter steigen, den noch geringeren Marktzins kann dies aber kaum noch kompensieren. Entsprechend wird auch bei Anleihen die Strategie „Kaufen und bis zur Fälligkeit halten“ immer weiter an Bedeutung verlieren. Ein aktiv gemanagtes Depot ist eine mögliche Antwort auf das niedrige Zinsniveau.

Zinssteigerungen in den USA?

Der Notenbank den berühmten „Strich durch die Rechnung“ machen könnte nur ein deutlich steigendes Zinsniveau in anderen Regionen der Welt.

Dabei denkt man natürlich zuallererst an die USA, denn dort ist die wirtschaftliche Entwicklung erfreulich, das historisch niedrige Zinsniveau müsste also so nicht fortgeführt werden. Allerdings würden Zinssteigerungen für Wanderbewegungen des Geldes aus dem Euroraum in die USA sorgen, was wiederum zu einer deutlichen Verteuerung der US-amerikanischen Währung führen würde.

Ein höher bewerteter US-Dollar verteuert aber auch die Exporte von den USA in andere Währungsräume und dies kann wiederum die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land beeinträchtigen. Deswegen werden die USA – nun stärker aus eigenem Interesse als mit Blick auf die Schwellenstaaten – sehr vorsichtig mit Zinsanpassungen sein.

Zusätzlich machen sich die Bonitätsrisiken bemerkbar. Für einen attraktiven Zinskupon blenden viele Anleger solche Risiken aus. Es gibt nach wie vor Anleihen, die eine Nominalverzinsung von über 6 % p.a. versprechen. Wer sich von solchen scheinbar verlockenden Angeboten blenden lässt, muss sich nicht wundern, wenn das eigene Geld zwar nicht weg ist, es aber dafür jemand anderes hat.

In Deutschland ist dieses Risiko im Segment der so genannten Mittelstandsanleihen eher die Regel als die Ausnahme. Solche Anleihen werden von Unternehmen emittiert, die mit solidem deutschem Mittelstand wenig zu tun haben.

Eine frühere Analyse der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH hat gezeigt, dass über 99 % der an den Börsen in Stuttgart und Düsseldorf gehandelten Mittelstandsanleihen für die konservative Anlage ungeeignet sind. Sie stellen nur ein Geschäft für die Emittenten und die dabei unterstützenden Kreditinstitute dar.

Risiken gezielt steuern

Neben einem aktiv gemanagten (Renten-)Depot spielt die Risikosteuerung eine wesentliche Rolle für den Anlageerfolg im Jahr 2015. Dabei auf banken- und produktunabhängige Expertise zu setzen, erscheint sinnvoll.

Bei Kreditinstituten weiß man nie, welche Interessen sie vertreten. Im Jahr 2014 beispielsweise zeigte sich, dass eine Vielzahl der Kaufempfehlungen für das Unternehmen Rocket Internet exakt von jenen Kreditinstituten kam, die dessen Börsengang begleitet und damit teilweise viel Geld verdient hatten. Die Frage ist daher durchaus berechtigt, ob der Anleger vor diesem Hintergrund wirklich ein unabhängig beratener Kunde ist. Da in diesem Feld auch immer mehr Privatbanken aktiv sind, gibt es wirklich unabhängige Expertise nur noch bei unabhängigen Vermögensverwaltern, die ausschließlich im Kundeninteresse handeln.

Schließlich spüren die Kreditinstitute in der Eurozone immer größeren Druck. Das Kreditgeschäft entwickelt sich schleppend, weil trotz historisch günstiger Zinsen nicht zwangsläufig neue Investitionsideen entstehen. Eine wirklich gewinnbringende Fristentransformation ist aufgrund der relativ flachen Zinsstrukturkurve nicht möglich.

Flexibilität zunehmend gefragt

Anlagen, die Kreditinstitute bei der EZB parken, kosten Strafzinsen. Diese werden zunehmend an institutionelle Anleger, zu denen auch große gemeinnützige Organisationen zählen, weitergegeben. Dies ist ein Trend, der im kommenden Jahr weiter an Dynamik gewinnen wird. Auch hier lässt sich mit Flexibilität noch etwas Geld bei kurzfristigen Anlagen verdienen. Allerdings muss der Grundsatz gelten: Im Geldmarkt wird nicht spekuliert.

Keine Zinsen sowohl im Geldmarkt als auch bei Anleihen – ein Traum für die Aktienmärkte? Eine solche Einschätzung wird medial zwar stark in den Fokus gerückt, deswegen muss sie aber noch lange nicht richtig sein.

Blickt man ein Jahr zurück, zeigt sich, dass viele Experten von einem weiterhin ungebremsten Anstieg auch der deutschen Aktien ausgingen und einen Börsenrekord nach dem anderen erwarteten.

Ein differenzierteres Bild hatte die DVAM: Dort sah man die Schwankungsbreite im deutschen Leitindex DAX im Jahr 2014 zwischen 8.700 und 10.400 Punkten. Diese Schwankungen sind nahezu vollständig so eingetreten und haben zu der für die DVAM-Kunden erfreulichen Wertentwicklung von rund 4 % in diesem Jahr beigetragen.

Im Jahr 2015 ist mit einer nochmals größeren Schwankungsbreite an den Aktienmärkten zu rechnen. Zwar wird das niedrige Zinsniveau die Aktienmärkte stützen, aber das Anlagejahr 2014 hat eben auch gezeigt, dass kein Börsensegment eine Einbahnstraße ist. Mit anderen Worten: Wenn ein Unternehmen keine nachhaltige Gewinnperspektive hat, wird es auch über das Vehikel niedriges Zinsniveau nicht zu einer günstigen Bewertung kommen.

Deswegen ist für das Anlagejahr 2015 eine Rückbesinnung auf fundamental starke Aktienwerte zu erhoffen, deren Substanz und Geschäftsmodelle auch für Stabilität in abwärtsgerichteten Phasen sorgen werden. Die konjunkturellen Herausforderungen werden schließlich größer. Die Schwäche Europas hat strukturelle Gründe, die sich nicht schnell beheben lassen. Entsprechend wird die wirtschaftliche Entwicklung eher schleppend bleiben.

Herausforderungen steigen

Seit fünf Jahren deuten sich aber auch erstmals größere Herausforderungen in China an. Diese könnten – zusätzlich zu den Sanktionen gegen Russland – die weltweite wirtschaftliche Dynamik bremsen. Vor diesem Hintergrund wird sich der DAX schwer tun, die Marke von 10.000 Punkten nachhaltig zu überspringen.

Für Anleger, die ihre Vermögenssubstanz erhalten wollen und einen stetigen Vermögenszuwachs anstreben, gilt es deswegen – insbesondere im Aktienmarkt – durch kurzlebige Bewegungen „hindurch zu blicken“. Heißt: Anlageentscheidungen sind nach dem Kriterium zu treffen, ob die ausgewählten Werte auch im langfristigen Kontext bestehen werden. Daran sollten auch externe Berater wie Kreditinstitute oder unabhängige Vermögensverwalter gemessen werden.

Weniger Investitionen bei Rohstoffen

Eine Stütze für die Konjunktur in den etablierten Industrienationen und in China ist die Entwicklung der Energiekosten. Allein dank der Energiekosteneinsparung auf dem aktuellen Niveau würde die deutsche Wirtschaft um 1 % wachsen, sofern – das ist nur rein theoretisch möglich – alle anderen Faktoren unberücksichtigt blieben.

Im Rohstoffbereich werden aufgrund des Preisniveaus derzeit jedoch die Investitionen massiv gekürzt. Dies belastet mitunter gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Erst wenn durch den Rückgang der Investitionen die Kapazitäten reduziert werden, ist davon auszugehen, dass viele Rohstoffe wieder spürbar im Wert steigen werden.

Eine Sonderrolle nahm bisher Gold ein, das als klassischer „sicherer Hafen“ galt. Doch trotz aller geopolitischer Krisen und konjunktureller Sorgen hatte Gold im Jahr 2014 nicht die Bedeutung wie in den Jahren zuvor. Dieser Trend wird sich auch in der Zukunft fortsetzen, da das Edelmetall kein wirkliches Anlageinstrument darstellt. Der oft behauptete Werterhaltungsaspekt ist nicht nachgewiesen. Diese Annahme ist vielmehr eher emotional motiviert.

Mit einer seitwärts gerichteten Wertentwicklung wird die Erkenntnis, dass man mit Gold eben keine laufenden Ausschüttungen generiert und dass das Edelmetall daher eine wenig attraktive Anlage ist, wieder mehr in den Fokus der Anleger rücken.

Markus Schön

Ausblick und Veranstaltungstipp

Vertiefende Informationen und eine Prognose für die Kapitalmärkte bietet der DVAM-Finanzmarktausblick 2015, den Sie ab sofort über info@dv-am.de bestellen können.

Wer sich ein noch detaillierteres Bild machen möchte, besucht uns bei einer unserer Veranstaltungen zum Thema – am 03.02.2015 in Köln, am 05.02. in Detmold, am 10.02. in Berlin und am 12.02. in Hamburg. Mehr Infos erhalten Sie über info@dv-am.de oder +49 (0) 5231 603-578.